Krav Maga Selbstverteidigung für Frauen

Krav Maga Selbstverteidigung für Frauen – ein Seminarbericht

„Vieles was an Frauentraining angeboten wird, ist Verrat an den Frauen“. Mit dieser Aussage begann Amnon Maor die Instruktoren-Ausbildung für Frauen-Selbstverteidigung (Krav Maga Maor Women’s Self Defense), die wir im März 2017 in Wien besuchten. Viele Frauentrainings vermitteln eine falsche Sicherheit, denn sie sind weit weg von realistischer, von Männern ausgehender Gewalt. Und er muss es wissen: Amnon Maor war Chefausbilder der israelischen Grenzpolizei-Spezialeinheiten und hat diese in Krav Maga unterrichtet. Seit Jahrzehnten trainiert er Polizei, Militär und Zivilpersonen in moderner Selbstverteidigung.

Krav Maga Selbstverteidigung Frau

Amnon Maor (Mitte) zertifizierte Jeannette Vögeli (li.) und Tian Wanner (re.) in Krav Maga für Frauen

Wir von Functional Fighting unterrichteten in den letzten Jahren hunderte Klientinnen in unserem regulären Training und im Selbstverteidigungskurs für Frauen. Reine Frauenkurse machen insofern Sinn, als dass viele Frauen Hemmungen haben, mit Männern gemischte Kurse zu besuchen. In speziellen Selbstverteidigungskursen für Frauen ist diese Hemmschwelle nicht vorhanden und deshalb können diese Kurse ein guter Einstieg in die Themen Gewalt und Aggression sein. Aber eben nur ein Einstieg.

Krav Maga Selbstverteidigung für Frauen – spezielle Ausgangslage?

Männer und Frauen haben nicht dieselben physischen Voraussetzungen. Das heisst nicht, dass wir Frauen uns deswegen nicht verteidigen können oder die schlechteren Kämpferinnen sind. Aber eine Frau muss die Aggression und vor allem den Druck erleben, der von einem Mann ausgehen kann, der es wirklich ernst meint. Und dies muss sie zwingend schon im Training erleben. Sonst hat sie im Ernstfall, wenn sie tatsächlich von Gewalt bedroht sein sollte, keine Chance.

Amnon Maor hat mit seinen Ausführungen ins Schwarze getroffen – und ich habe daraufhin mit meinem Trainingspartner immer wieder versucht, diesen Druck aufzubauen. Ich wollte die Techniken einsetzen, die unterrichtet wurden, wenn er tatsächlich Vollgas gibt. Einige der vermittelten Techniken sind tatsächlich sehr effektiv – zum Beispiel das Reissen am Ohr in der extremen Nahdistanz, wenn sonst nichts mehr geht. Oder Befreiungen aus Würgegriffen, das Brechen und Herausreissen von Fingern, die einem umklammern.

Anderes dagegen hat mich überhaupt nicht überzeugt, weil es schon den kleinsten Drucktest nicht bestand. Das war eine bittere Pille. Wieso beispielsweise sollte mir jemand nicht folgen, wenn ich ihm nur seitlich ausweiche (Tai Sabaki/Flanking) und dann seinen Ellbogen kontrolliere? Nur ein Depp würde so stehenbleiben. Einer, der es nicht wirklich ernst gemeint hat. Jemand, der mir wirklich an die Wäsche oder an den Geldbeutel will, wird mir doch zweifellos folgen. Bei etlichen Techniken wurden die aus unserer Sicht zwingend notwendigen, aggressiven Abschlusstechniken ausgelassen. Auch zeigte sich, dass die anwesenden Frauen von den Männern mit Samthandschuhen angefasst wurden. Beim Vorzeigen traute sich ein teilnehmender Trainer beispielsweise nicht, eine Frau von hinten an den Haaren zu reissen mit der Aussage, „bei einer Frau kann ich das nicht“. Wenn schon der Trainer nicht in der Lage ist, bei Frauen einen Übergriff halbwegs ernsthaft zu simulieren: Wie sollen dann die Kursteilnehmerinnen lernen, wie sich ein echter Angriff anfühlt? Wie können Frauen ihre Möglichkeiten realistisch einschätzen, wenn sie nur mit wehrlosen Gegnern trainieren?

Viele der vermittelten Vorgehensweisen decken sich jedoch mit unserem Ansatz und alles in allem war es ein sehr lehrreiches Wochenende mit wertvollen Impulsen für unser weiteres Training mit Frauen. Nicht zuletzt erhielten wir die Bestätigung, dass dynamische Situationen mit aggressiven Gegnern viele Techniken schlicht und ergreifend zunichte machen. Im Hochstress funktioniert nur noch ganz Weniges und tausendfach Geübtes („one thousand times!“).  Der Einstieg in die Frauen-Selbstverteidigung lässt durchaus reine Frauengruppen zu, aber dies ist bloss als Einstieg zu sehen, um allfällige Hemmungen abzubauen. Trainingspartner müssen mit der Zeit zwingend Männer sein, um im Ernstfall tatsächlich bestehen zu können. Und es müssen Trainingspartner sein, die uns Frauen nicht wie Zuckerpüppchen anfassen, sondern zu gegebener Zeit auch mal massiv, aber kontrolliert, Druck ausüben. Alles andere ist tatsächlich Verrat an uns Frauen.

Jeannette Vögeli, April 2017, Zürich

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